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Cold Foam ist kein Sommertrend. Warum er auch im Herbst auf die Getränkekarte gehört

27. Sept.
7 Min. Lesezeit

„Kann ich den auch heiß haben?“


Diese Frage stellte ein Gast zu einem Iced Drink mit Cold Foam. Die Antwort des Gastronomen fand ich ziemlich genial: Er bereitete das Getränk heiß zu und servierte den Cold Foam einfach separat in einem kleinen Schälchen.


So konnte der Gast selbst entscheiden: einen Löffel Cold Foam auf das heiße Getränk geben, zwischendurch ein bisschen davon naschen oder beides nach und nach miteinander kombinieren.


Ich fand die Idee sofort großartig.


Denn sie zeigt etwas, das wir bei Cold Foam im Café vielleicht viel zu selten hinterfragen:


Warum denken wir Cold Foam eigentlich fast immer nur als Sommertrend?


Dabei kann Cold Foam viel mehr. Mit den richtigen Aromen wird aus einem sommerlichen Iced Drink plötzlich ein herbstlicher Signature Drink oder sogar eine spannende Ergänzung zu einem heißen Getränk.


ein gewelltes Glas mit 3 Schichten Flüssigketi. Unten weiß mit Kürbispürree, in der mitte leuchtend violett und obendrauf eine cremige Schicht mit orangefarbenem Kürbis Cold Foam
Iced Ube Pumpkin Spicy Cold Foam

Das Wichtigste auf einen Blick


Cold Foam im Café muss nicht auf Iced Drinks und den Sommer beschränkt bleiben. Mit herbstlichen Aromen wie Pumpkin Spice, Pistazie oder Safran kann er auch in der kühleren Jahreszeit spannende Signature Drinks schaffen.


Für Cafés würde ich trotzdem nicht mit mehreren Cold Foams gleichzeitig starten. Mein Ansatz wäre:


  • mit einem Cold Foam beginnen und testen

  • ihn mit mehreren bestehenden Basisgetränken kombinieren

  • bei Erfolg einen Signature Cold Foam dauerhaft auf der Karte lassen

  • zusätzlich einen zweiten Foam saisonal wechseln

  • Cold Foam nicht nur als Topping verkaufen, sondern daraus einen eigenständigen Signature Drink entwickeln

  • mit Foto, Aufsteller und aktiver Empfehlung durch die Mitarbeiter sichtbar machen


Denn am Ende verkauft sich nicht der Schaum.

Es verkauft sich das Erlebnis rund um das Getränk.


Ist Cold Foam wirklich nur etwas für den Sommer?


ein gewelltes Glas vor mit leuchtend grünem Matcha Latte auf Eiswürfel mit einem hellgelben Safran Cold Foam und Blattgold zur Verzierung vor einem strahlend blauen Pool
Iced Matcha Safran Coldfoam - Summeredition

Nein.

Cold Foam wird momentan stark mit Iced Drinks verbunden, aber die Idee dahinter funktioniert unabhängig von der Jahreszeit.


Im Sommer passen fruchtige, leichte oder frische Aromen.

Im Herbst dürfen die Geschmacksrichtungen wärmer, würziger und nussiger werden.


Pumpkin Spice ist dafür ein naheliegendes Beispiel. Aber auch Pistazie, Karamell oder Safran können Cold Foam in eine völlig andere Richtung bringen.


Für mich ist deshalb nicht die Temperatur die entscheidende Frage.


Die bessere Frage lautet:

Welches Geschmackserlebnis möchte ich mit dem Getränk schaffen?


Kann Cold Foam auch zu einem heißen Getränk serviert werden?


Ja.

Aber ich würde ihn nicht unbedingt einfach auf das heiße Getränk geben.


Cold Foam lebt von seiner Struktur. Auf einem sehr heißen Getränk kann diese relativ schnell verloren gehen.


Genau deshalb fand ich die Idee des Gastronomen so spannend, den Foam separat in einem kleinen Schälchen zu servieren.


Plötzlich wird aus einer vermeintlichen Notlösung ein Teil des Erlebnisses.


Der Gast kann einen Löffel Cold Foam auf seinen heißen Chai oder Hojicha geben. Er kann den Foam zwischendurch pur probieren. Oder er kombiniert beides immer wieder neu.


Das Getränk wird interaktiv.


Und genau solche kleinen Details können aus einem Getränk etwas machen, über das Gäste sprechen oder das sie beim nächsten Besuch noch einmal bestellen möchten.


Mit wie vielen Cold Foams sollte ein Café starten?


Mit einem.


Ich würde nicht direkt drei oder vier verschiedene Cold Foams entwickeln und damit zusätzliche Zutaten, Behälter und Arbeitsschritte in die Mise en Place bringen.


Ich würde einen guten Cold Foam auswählen, ihn sichtbar auf der Karte inszenieren und beobachten, wie die Gäste darauf reagieren.


Funktioniert das Konzept, würde ich anschließend mit zwei Ebenen arbeiten:


Ein Signature Cold Foam bleibt dauerhaft.

Ein zweiter Cold Foam wechselt saisonal.


So entsteht Abwechslung, ohne die Abläufe unnötig kompliziert zu machen.


Welcher Cold Foam eignet sich für den Einstieg?


glas mit violetten und grünen Streifen die von Pistaziencreme und Ube Latte kommen. Das Glas wird getoppt mit einem sanfgrünen Pistazien Cold Foam und lila Ubepulver
Iced Ube Pistazien Cold Foam

Für mich wäre Pistazie ein besonders interessanter Kandidat.


Warum?


Weil Pistazie nicht nur zu einem einzigen Getränk passt.


Ein Pistazien Cold Foam lässt sich beispielsweise mit Kaffee, Matcha, Chai, Ube oder Hojicha kombinieren.


Damit kann eine einzige zusätzliche Komponente gleich mehrere bestehende Getränke verändern.


Für einen Cafébetrieb finde ich das spannend: Ich muss nicht für jeden Signature Drink eine komplett neue Mise en Place aufbauen.


Aus einem Cold Foam können mehrere neue Getränkekombinationen entstehen.


Welcher Cold Foam passt in den Herbst?


Pumpkin Spice würde ich im Herbst auf jeden Fall für eine begrenzte Zeit spielen.

Das Aroma ist saisonal verständlich, passt zu Chai und Kaffee, lässt sich aber auch mit Matcha oder anderen modernen Getränken kombinieren.


Gerade diese zeitliche Begrenzung finde ich wichtig.

Nicht jeder Cold Foam muss dauerhaft auf der Karte stehen.

Ein saisonaler Foam kann genau deshalb interessant sein, weil Gäste wissen: Den gibt es nur für kurze Zeit.


Das schafft einen neuen Kaufanlass, ohne dass die Stammkarte immer größer werden muss.


Wie wird aus Cold Foam ein echter Signature Drink?


der obere Teil eines Glases mit Iced Hojicha Latte in schokoladenbraun mit einem leuchtend gelben coldfoam mit Safran und Blatgold als Dekoration
Signature Drink: Iced Hojicha Latte mit Safran Cold Foam und Blattgold

Indem man etwas macht, das Gäste nicht überall bekommen.


Besonders spannend finde ich beispielsweise Safran Cold Foam.


Allein die leuchtend goldene Farbe kann ein Getränk zu einem Hingucker machen. Wird der Foam zusätzlich hochwertig inszeniert – vielleicht sogar mit etwas Blattgold – entsteht eine völlig andere Wahrnehmung als bei einem klassischen Topping.


Und genau an diesem Punkt wird aus „Cold Foam“ ein Signature Drink.

Nicht, weil noch eine Schicht Schaum auf dem Getränk liegt.

Sondern weil Geschmack, Farbe, Präsentation und Idee zusammenpassen.


Darf ein Getränk mit Cold Foam deutlich mehr kosten?


Ja.

Der Preis sollte sich aber am tatsächlichen Getränk orientieren.


Als grobe Orientierung würde ich bei einem Signature Drink mit Cold Foam eher in Richtung 1,50 Euro Aufpreis denken als nur an einige Cent für ein zusätzliches Topping.


Trotzdem würde ich niemals pauschal jeden Cold Foam gleich kalkulieren.

Entscheidend sind unter anderem:


  • Wareneinsatz

  • Qualität der Zutaten

  • Zubereitungszeit

  • zusätzliche Arbeitsschritte

  • Präsentation


Ein Pumpkin Spice Cold Foam ist kalkulatorisch etwas anderes als ein Cold Foam mit echtem Safran und vielleicht sogar Blattgold.


Der Gast bezahlt schließlich nicht nur die zusätzlichen Gramm einer Zutat.

Er bezahlt auch für ein besonderes Getränk.


Sollte Cold Foam als Extra auf der Karte stehen?


Ich würde es anders machen.


Statt


„+ Pistazien Cold Foam 1,50 €“


würde ich einen kompletten Signature Drink daraus entwickeln.


Mit eigenem Namen.

Mit einem richtig guten Foto.

Und mit einer Beschreibung, die Lust darauf macht, das Getränk zu probieren.


Cold Foam wäre dann nicht das kostenpflichtige Extra, sondern Bestandteil des Getränkekonzepts.


Das verändert auch die Wahrnehmung des Preises.


Ein Gast vergleicht nicht mehr seinen normalen Matcha Latte mit „dem gleichen Getränk plus etwas Schaum“, sondern entdeckt einen neuen Drink.


Wie verkauft man Cold Foam im Café?


Nicht, indem man ihn irgendwo als zusätzliche Zeile auf die normale Getränkekarte schreibt.

Wenn ich heute in meinem eigenen Café einen solchen Drink einführen würde, würde ich ihn sichtbar inszenieren.


Ich würde einen großen Aufsteller mit einem richtig guten Foto platzieren. Und zwar dort, wo der Gast ihn sieht, bevor er bestellt.


Und ich würde meine Mitarbeiter den Drink selbst probieren lassen und ihnen erklären, was ihn besonders macht.

Denn gerade Stammgäste bestellen häufig automatisch das, was sie immer bestellen.

Dann kann ein einfacher Satz im Gespräch entscheidend sein:


„Wir haben gerade einen neuen Pistazien Hojicha! Möchtest Du den einmal probieren?“


Neue Getränke brauchen Sichtbarkeit.

Und manchmal brauchen sie jemanden, der sie empfiehlt.


Mein Fazit: Cold Foam im Café ist keine Saison


Vielleicht sollten wir aufhören, Cold Foam automatisch mit Sommer, Eiswürfeln und Iced Drinks gleichzusetzen.


Cold Foam im Café ist für mich vielmehr eine Möglichkeit, bestehende Getränke immer wieder neu zu inszenieren.


Im Herbst vielleicht mit Pumpkin Spice.

Als vielseitiger Signature Foam mit Pistazie.

Oder bewusst außergewöhnlich mit Safran und einer Präsentation, die Aufmerksamkeit erzeugt.


Und warum nicht einmal separat zu einem heißen Getränk servieren?

Gerade diese Idee gefällt mir besonders, weil sie zeigt, worum es bei guten Signature Drinks eigentlich geht:

Nicht darum, möglichst viele Zutaten in ein Glas zu bekommen.

Sondern darum, dem Gast etwas zu bieten, das er so nicht erwartet hat.


Mein Rat für Cafés wäre deshalb einfach:

Startet mit einem Cold Foam.

Macht einen richtig guten Drink daraus.

Inszeniert ihn sichtbar.


Und schaut, was Eure Gäste daraus machen.


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Über die Autorin

Natascha Lendzian ist Gründerin von Simply Chai und beschäftigt sich seit über 15 Jahren mit Cafékonzepten, Getränketrends und Produktentwicklung.

Ihre Erfahrung kommt aus der Gastronomie: Im eigenen Café hat sie erlebt, wie Gäste neue Getränke entdecken, wie Stammkunden bestellen und warum ein gutes Produkt allein noch lange nicht bedeutet, dass es sich auch verkauft.


Aus dieser praktischen Erfahrung entstand später Simply Chai. Heute entwickelt das Unternehmen Chai, Matcha, Hojicha, Ube und weitere Getränkekonzepte für Cafés, Bäckereien, Hotellerie und andere gastronomische Betriebe.


Neue Getränketrends betrachtet Natascha deshalb immer aus zwei Perspektiven: Ist ein Drink spannend für den Gast Und funktioniert er geschmacklich, wirtschaftlich und operativ auch im echten Caféalltag?


FAQ: Cold Foam im Café


Kann man Cold Foam auch im Herbst anbieten?

Ja. Cold Foam ist nicht an eine bestimmte Jahreszeit gebunden. Im Herbst können beispielsweise Pumpkin Spice, Pistazie, Karamell oder Safran für saisonale Geschmacksrichtungen sorgen.


Kann Cold Foam zu heißen Getränken serviert werden?

Ja. Da Cold Foam auf einem sehr heißen Getränk schneller seine Struktur verlieren kann, ist auch eine separate Präsentation in einem kleinen Schälchen denkbar. Der Gast kann den Foam dann selbst zum Getränk geben oder zwischendurch pur probieren.


Wie viele Cold Foams sollte ein Café anbieten?

Für den Einstieg würde ich mit einem Cold Foam beginnen. Wird er gut angenommen, kann ein Signature Cold Foam dauerhaft bleiben und durch einen wechselnden saisonalen Foam ergänzt werden.


Welcher Cold Foam ist besonders vielseitig?

Pistazien Cold Foam ist für mich ein guter Allrounder, weil er sich mit unterschiedlichen Basisgetränken wie Kaffee, Matcha, Chai, Ube oder Hojicha kombinieren lässt.


Wie viel darf ein Cold-Foam-Drink mehr kosten?

Als erste Orientierung kann ein Aufpreis von etwa 1,50 Euro sinnvoll sein. Eine pauschale Regel gibt es aber nicht. Hochwertige Zutaten, Wareneinsatz, Arbeitszeit und Präsentation sollten in die individuelle Kalkulation einfließen.


Wie verkauft man Cold Foam im Café am besten?

Ich würde Cold Foam nicht nur als zusätzliches Topping anbieten, sondern daraus einen eigenständigen Signature Drink entwickeln. Ein eigener Name, ein gutes Foto, sichtbare Präsentation im Café und Mitarbeiter, die den Drink aktiv empfehlen können, erhöhen die Aufmerksamkeit.

 
 
 

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