Ist Matcha aus Japan der neue Champagner? Warum Japan den weltweiten Matcha-Boom kaum noch bedienen kann.
- Natascha Lendzian
- vor 2 Tagen
- 4 Min. Lesezeit
Matcha ist plötzlich überall
Vor wenigen Jahren war Matcha noch ein Nischenprodukt für Teeliebhaber.
Heute begegnet Dir Matcha nahezu überall:
im Café um die Ecke
bei internationalen Coffeeshop-Ketten
in Hotels
in Bäckereien
in Supermärkten
auf Instagram und TikTok
Besonders Iced Matcha Latte hat sich vom Geheimtipp zum festen Bestandteil moderner Getränkekarten entwickelt.
Doch hinter dem Boom verbirgt sich eine Entwicklung, die viele Verbraucher gar nicht wahrnehmen:
Der weltweite Hunger auf Matcha wächst schneller als die traditionellen Anbaugebiete Japans.
Matcha aus Japan in Zahlen: Die Nachfrage explodiert
Die Entwicklung der letzten Jahre ist beeindruckend.
2012 produzierte Japan rund 1.430 Tonnen Tencha , den Rohstoff, aus dem Matcha hergestellt wird.
2023 waren es bereits über 4.100 Tonnen.
2024 erreichte die Produktion sogar rund 5.336 Tonnen Tencha.
Innerhalb von zwölf Jahren hat sich die Produktionsmenge damit nahezu vervierfacht.
Eigentlich eine Erfolgsgeschichte.
Doch trotz dieser Rekordmengen berichten Produzenten und Händler weltweit von:
steigenden Preisen
längeren Lieferzeiten
begrenzten Verfügbarkeiten
Wie kann das sein?

Der Matcha-Boom kommt vor allem aus den USA
Ein wesentlicher Treiber ist die Entwicklung in Nordamerika.
Die USA gelten mittlerweile als wichtigster Exportmarkt für japanischen Matcha.
Inzwischen werden dort jährlich über 2.000 Tonnen Matcha importiert.
Matcha hat sich vom Nischenprodukt zum Lifestyle-Getränk entwickelt.
Vor allem jüngere Konsumenten schätzen:
die leuchtend grüne Farbe
die Vielseitigkeit
die Alternative zu Kaffee
die Präsenz auf Social Media
Was in den USA passiert, sehen wir inzwischen auch in Europa.
Europa holt auf
Auch in Europa wächst die Nachfrage kontinuierlich.
Deutschland gehört inzwischen zu den wichtigsten europäischen Importmärkten für japanischen Matcha.
Gleichzeitig findet Matcha längst nicht mehr nur in Teegeschäften statt.
Neue Absatzmärkte entstehen durch:
Cafés
Bäckereiketten
Hotels
Systemgastronomie
Ready-to-Drink-Produkte
Immer mehr Betriebe entdecken Matcha als Möglichkeit, neue Zielgruppen anzusprechen und sich vom Wettbewerb abzuheben.

Warum Rekordernten nicht automatisch mehr Verfügbarkeit bedeuten
Auf den ersten Blick scheint die Lösung einfach:
Mehr Nachfrage → mehr Anbau.
Doch Matcha ist kein Produkt, dessen Produktion beliebig ausgeweitet werden kann.
Hochwertiger Matcha benötigt:
geeignete Anbauflächen
erfahrene Produzenten
spezielle Beschattungstechniken
Steinmühlen zur Vermahlung
geschulte Arbeitskräfte
Selbst wenn neue Flächen angelegt werden, vergehen oft Jahre, bis daraus hochwertige Qualitäten entstehen.
Die Nachfrage steigt aktuell schneller als die Produktionskapazitäten.

Warum immer mehr Matcha aus China kommt
Gleichzeitig wächst die Matcha-Produktion außerhalb Japans.
Insbesondere China investiert massiv in neue Produktionskapazitäten.
Der Grund ist einfach:
Der Massenmarkt benötigt große Mengen.
Für Anwendungen wie:
Eiscreme
Backwaren
Süßwaren
Getränkeindustrie
stehen häufig Preis und Verfügbarkeit im Vordergrund.
Deshalb wird ein wachsender Teil des weltweiten Bedarfs inzwischen durch chinesische Produzenten gedeckt.
Matcha ist nicht geschützt wie Champagner
Ein interessanter Punkt wird dabei oft übersehen.
Begriffe wie:
Champagner
Parmaschinken
Feta
sind geografisch geschützt.
Matcha ist es nicht.
Das bedeutet:
Nicht jedes Produkt mit der Bezeichnung "Matcha" stammt automatisch aus Japan.
Für Verbraucher wird die Herkunft deshalb künftig immer wichtiger.
Denn zwischen verschiedenen Herkunftsländern, Anbaugebieten und Qualitäten können erhebliche Unterschiede bestehen.
Japanischer Matcha ist nicht automatisch besser
Dabei sollte man nicht den Fehler machen, die Diskussion auf Japan gegen China zu reduzieren.
Nicht jeder Matcha aus Japan ist automatisch Spitzenqualität.
Und nicht jeder Matcha aus China ist automatisch schlecht.
Entscheidend sind:
Kultivar
Beschattung
Ernte
Verarbeitung
Frische
Gerade bei hochwertigen Matcha Lattes oder beim puren Genuss werden diese Unterschiede jedoch deutlich wahrnehmbar.
Wie geht die Reise weiter?
Alles deutet darauf hin, dass Matcha weit mehr als ein kurzfristiger Trend ist.
Die Nachfrage wächst weltweit.
Gleichzeitig suchen immer mehr Cafés nach hochwertigen Alternativen zu klassischen Kaffeespezialitäten.
Die spannende Frage lautet deshalb nicht:
Wird Matcha weiterhin gefragt sein?
Sondern:
Wer wird den Matcha der Zukunft produzieren und welche Qualitäten werden langfristig verfügbar sein?
Fazit
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache:
Fast Vervierfachung der Tencha-Produktion innerhalb von zwölf Jahren
Über 5.000 Tonnen Exportvolumen
Mehr als 2.000 Tonnen jährliche Importe allein in die USA
Wachsende Nachfrage in Europa und Australien
Matcha hat sich vom Nischenprodukt zum globalen Markt entwickelt.
Für Cafés, Händler und Verbraucher wird deshalb eine Frage immer wichtiger:
Woher stammt der Matcha und welche Qualität steckt tatsächlich dahinter?
FAQ
Wird Matcha knapp?
Ja. Trotz steigender Produktion wächst die weltweite Nachfrage derzeit schneller als die verfügbaren Mengen hochwertiger Matcha-Qualitäten.
Warum kommt immer mehr Matcha aus China?
China baut seine Produktionskapazitäten aus, um die weltweit steigende Nachfrage nach Matcha für Getränke, Lebensmittel und die Industrie zu bedienen.
Ist Matcha aus Japan besser als Matcha aus China?
Nicht automatisch. Die Qualität hängt von Anbau, Beschattung, Verarbeitung und Frische ab. Japan verfügt jedoch über eine besonders lange Tradition in der Matcha-Herstellung.
Warum wird Matcha immer teurer?
Steigende Nachfrage, begrenzte Anbauflächen und höhere Produktionskosten führen weltweit zu steigenden Preisen für hochwertige Matcha-Qualitäten.
Kann Japan die weltweite Nachfrage nach Matcha decken?
Die Produktion steigt kontinuierlich, dennoch berichten viele Produzenten von Engpässen, da die Nachfrage insbesondere in den USA und Europa stark wächst.
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